Informationsdesign
Mit Hilfe des Informationsdesigns charakterisiere ich die Anforderungen an eine multimediale Anwendung, die es erlauben, grundlegende Information schnell wahrzunehmen und die Aufmerksamkeit auf wesentliche Inhalte zu lenken. Das Informationsangebot muss übersichtlich organisiert und bedeutende Informationseinheiten müssen sichtbar sein: Nur so kann es gelingen den Inhalt verständlich und erinnerbar zu machen.
Kategorien:
Zunächst wird ein Kategoriensystem entworfen, dessen hierarchische Oberbegriffe nach Zusammengehörigkeit gruppiert sind und welches ein logisches Ordnungssystem aufweist. Im folgenden Schritt müssen Techniken zur Hervorhebung von wichtigen Inhalten überlegt werden, um entscheidende Informationseinheiten in den Fokus der Aufmerksamkeit zu stellen. Um das Textvolumen aufzulockern, können Fotos zum Einsatz kommen, die den Text ergänzen und Zusatzinformationen liefern.
Es gilt, eine Kategorisierung in Bezug auf bestimmte Nutzerinteressen zu bilden und innerhalb der Kategorien erste Informationstiefen herauszuarbeiten, um daraus ableitend später ein Navigationsmodell entwickeln zu können.
Text:
I.d.R. werden alle Texte vom Auftraggeber digital bereitgestellt. Je nach inhaltlichem Umfang der Präsentation ist es oft notwendig längere Textpassagen zu redigieren, damit sich diese in das Gesamtkonzept einfügen können. Konzeptionell ist es von Vorteil, jeden Inhaltsblock auf einer Bildschirmseite zu präsentieren, um so ein lesefreundliches Design zu erreichen. Der Informationsumfang sollte auf einen Blick zugänglich sein. Häufig ist es aufgrund des Textumfangs nicht realisierbar, den Inhalt auf einer Bildschirmseite zu präsentieren, daher sind Überlegungen zur einfachen Erschließung des Angebots notwendig.
Bei Informationen ersten Ranges sollte scrollbarer Text vermieden werden, da das Scrollen die Informationsaufnahme beeinträchtigt und zusätzliche Konzentration erfordert. Im Gegensatz zum unbewussten Umblättern, wie beispielsweise in einem Printprodukt, erfordert das Scrollen eine genau koordinierte motorische Aktivität, die den Leser von seinem eigentlichen Handlungsziel – dem Lesen – ablenkt. Aus solchen physiologischen Gründen [1] ist das Lesen am Bildschirm generell mit mehr Anstrengungen verbunden als das Lesen von Papier. Somit muss sich die Textedition dem Rezeptionsverhalten bzw. den Eigenschaften des Mediums anpassen.
Bei der Textvermittlung können Stilmittel aufgegriffen werden, die sich mittlerweile im Online-Journalismus herausgebildet und bewährt haben: Eine Themeneinführung über kurze, prägnante Teasertexte [2] erweist sich als sinnvoll, um dem Leser einen Einblick in das Thema zu gewähren.
Eine einheitliche Gestaltung von Rubriken, die thematisch zusammengehören, sollte sich idealerweise durch das gesamte Konzept ziehen. Oft ist es ebenso notwendig, dem Leser durch einen konsistenten Aufbau und eine sichtbare Gliederung, Vergleichsmöglichkeiten einzelner Inhalte/Angeboten zu bieten.
Texte innerhalb einzelner Rubriken sind meist durchgängig einheitlich positioniert und benutzen identische Stilvorlagen. Hervorhebung und wichtige Informationseinheiten können beispielsweise fett gekennzeichnet, Überschriften farblich und durch eine andere Schrifttype akzentuiert werden.
Die Konsistenz und der systematische Einsatz von Stilvorlagen erleichtern es dem Leser, sich Inhalte schnell zu erschließen und unterstützen das Scannen [3] von Bildschirmtexten. Durch ein Scannen – oder auch Überfliegen – des Textes ist die Lesegeschwindigkeit sehr hoch, da ein Wort-für-Wort-Lesen entfällt. – Lange Textpassagen werden seltener vollständig gelesen. Daher gelangen zunächst nur aufmerksamkeitserregende Informationen in den Fokus des Lesers. Prägnante, knappe Textabschnitte und Hervorhebungen fördern die Wahrnehmung und erleichtern die Verarbeitung von Information. Diese Erkenntnis sollte genutzt werden, um den Leser durch aufmerksamkeitslenkende Stilmittel erfolgreich durch den Text zu führen.
Eine weitere Überlegung gilt der zielgruppengerechten Präsentation des Inhaltes für umfangreiche und weiterführende Informationen. Werden ausführliche Beschreibungen erwartet, ist ein stichwortartiger oder knapper Schreibstil nicht immer geeignet. Längere Textpassagen werden eher ausgedruckt gelesen und sollten dementsprechend in einer vorbereiteten Druckversion angeboten werden.
Unabhängig vom Inhalt einer Anwendung sind auch formale inhaltliche Anforderungen an eine Website oder CD-Rom-Präsentation zu erfüllen: Es werden Angaben zum Impressum und Urheberschutz aufgenommen und Haftungsausschlüsse angegeben. Aufgrund der generellen Flüchtigkeit von multimedialen Publikationen wird das Erstelldatum vermerkt.
Bild
Fast jede Präsentation lässt sich mit dokumentarischen oder stilgebenden Fotos/Grafiken bereichern:
Zum einen kann mit Bildmaterial der Text einladender gestaltet werden: Bei Multimedia-Projekten mit einem sehr hohen Grad an inhaltlicher Information spiegelt sich dies in einer umfangreichen Textmenge wider. Um den Themenumfang ansprechend zu präsentieren, kann über den Einsatz von Bildern eine weitere Technik genutzt werden, die den Text zusätzlich unterstützen und den Leser motivieren sollte. Zum anderen erlauben dokumentarische Fotos dem Anwender einen Ausschnitt eines wirklichkeitsgetreuen Abbilds der schriftlichen Information und erweitern den Text auf visueller Ebene. Fotos werden in Präsentationen bevorzugt dann eingesetzt, wenn die Textebene in ihrer Aussage durch authentisches Bildmaterial bestätigt werden kann. Da das menschliche Gedächtnis für Bilder aufnahmebereiter ist als für Text, tragen Fotos unterstützend zur Veranschaulichung eines Themas bei. Aus der Wahrnehmungspsychologie ist bekannt, dass besonders Abbildern von Menschen ein gesteigertes Interesse entgegengebracht wird. Da sich im Gesichtsausdruck Gefühle widerspiegeln, lösen Fotos mit Gesichtern beim Betrachter Emotionen aus. Dieses Argument spricht dafür, bevorzugt Portraitfotos zu verwenden: Ein Bild wird somit zum Werkzeug einer emotionalen Kommunikation.
Vervollständigt in seiner Funktionsweise wird der Einsatz von Bildern, wenn sie durch auffallende Attribute der Bildanordnung weitere Wahrnehmungsreize bedienen: Auffällige Attribute können zusätzlich Aufmerksamkeit erregen und die Motivation steigern. Daher werden visuelle und interaktive Stilmittel verwendet, die das Bildmaterial weiter betonen. Hier kommt ein entscheidender Vorteil einer multimedialen Anwendung zum Tragen: Fotos können animiert und mit Interaktion versehen werden. – Das Design wird erlebbar. Durch interaktive und animierte Elemente kann die Gesamterscheinung attraktiver gestaltet und der Spiel- und Entdeckungstrieb des Anwenders angesprochen werden.
Animation und Interaktion dürfen jedoch keine beliebigen Stilmittel sein: Ausschließlich Fotos, die eine eindeutige Bild-/Textaussage aufwiesen, dürfen eine Dynamik erzeugen, die keine wertvollen Aufmerksamkeitsressourcen kostet, sondern die Aufmerksamkeit auf den Inhalt lenkt. [4]
[1] Weitere Erschwernisse beim Lesen von Bildschirmtexten können beispielsweise auch Ermüdungserscheinungen durch die Lichtintensität und die Bildschirmauflösung des Monitors sein oder durch eine unbequeme Lesehaltung entstehen.
[2] Teasertexte sind einführende Textabschnitte, die das Thema kurz anreiß en. Es kann sich dabei sowohl um die ersten nichtvollständigen Sätze eines Textes handeln, als auch um eine Basisinformation mit maximal drei ausgearbeiteten Sätzen.
[3] Vgl. Nielsen 1997: URL: http://www.useit.com/alertbox/9710a.html [Stand: 29.08.2002].
[4] Durch den Prozess der Aufmerksamkeit gelingt es, Reize in ihrer Bedeutung zu unterscheiden. Denn nur über eine Selektion des Wahrnehmungsapparates kann wichtige von unwichtiger Information getrennt werden. Animation löst durch ihre Bewegung einen biologischen Reiz aus. Sobald das menschliche Gehirn Bewegung und Veränderung in der Umgebung registriert, werden alle laufenden Handlungen unterbrochen und die Aufmerksamkeit auf das bewegte Objekt gerichtet:
Bewegung und Veränderung hat in der Hierarchie der Reize, auf die unser Gehirn biologisch programmiert ist, immer die höchste Priorität. (Wirth o. J.: URL: http://www.kommdesign.de/texte/animation.htm [Stand: 26.05.2006])